Illustration

Der Blick aus dem Fenster

Geschichten über meine Nachbarn
Idee, Text und Illustration

Im Frühjahr 2020 haben ich sehr viel Zeit zuhause verbracht – und meine Nachbarn auch. Der stille Hinterhof vor meinem Fenster erwachte plötzlich zum Leben. Meine Nachbarn putzten ihre Fenster, bepflanzten Balkonkästen und zimmerten Balkonmöbel aus Paletten. Das erinnerte mich an meine Zeit in Frankfurt und an meine Nachbarn dort.

Wenn ich dort aus dem Fenster blickte, sah ich das Haus gegenüber. Ein schmuckloses Mietshaus aus den Sechziger Jahren. Die Wohnungen hatte Balkone und wenn einer meiner Nachbarn auf seinen Balkon trat, bewegte er sich auf einer kleinen Bühne. Und ich konnte seinen Bewegungen folgen.

Im ersten Stock wohnten zwei Männer, sie waren ein Paar. Ich beobachte, wie der eine von ihnen – ich nannte ihn „den Gärtner“ – begann, Gemüse und Kräuter auf dem Balkon zu pflanzen. Alles, was er einsäte, schien zu gelingen. Und schon bald hatte sich der schmale Balkon in einen prächtigen Gemüsegarten verwandelt.


Doch am Ende des Sommers war der Gärtner verschwunden. Die Tomaten vertrockneten und die letzte Paprika blieb schrumpelig zurück. Ich sah nur noch seinen Freund, der auf dem Balkon stand und rauchte. Die traurigen Pflanzen schien er gar nicht zu bemerken. 

Erst im nächsten Februar veränderte sich etwas auf dem Balkon meiner Nachbarn. Der blonde Mann schnitt die vertrockneten Pflanzen zurück und stapelte die Blumentöpfe aufeinander. Einige Wochen später sah ich wieder einen zweiten Mann auf dem Balkon stehen. Er ähnelte dem Gärtner, aber ich war mir nicht sicher. War er zurück gekehrt?

Steckrüben im Schnee

Illustrationen für Arto Paasilinnas Roman „Für eine schlechte Überraschung gut“

 Teilnahme am Büchergilde Gestalterpreis 2020

Alle zwei Jahre schreibt die Büchergilde Gutenberg den Gestalterpreis aus, 
2020 bereits zum zehnten Mal. Der Preis richtet sich an junge Illustrator*innen und 
dient der Nachwuchsförderung. In der Jury: Niels Beintker, Andreas Platthaus, 
Martin Stark, Cosima Schneider, Clara Scheffler und Jörg Hülsmann. 

Die Geschichte
Kunitsin und Savolenko, zwei russische Soldaten, landen mit ihrem Flugzeug im verschneiten Finnland. Es ist 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg. Ihr Auftrag: Kriegsgeheimnisse ausspionieren. Doch es kommt anders …

Auf der Suche nach etwas Essbarem und Treibstoff für ihr Flugzeug stolpern die beiden in ein Abenteuer hinein. Auf ihrer Reise begegnen sie einer schönen Apothekerin, einem eigenwilligen Armeepferd und einem Bauer im Wahn. 


Der Pilot


Nachdenkliche Momente

Steckrüben im Schnee 
(zum Schutz vor dem Erfrieren)

Die Weite Finnlands

Ein erschöpftes Huhn

Die schöne Apothekerin

Nächtliche Begegnungen

Eine unangenehme Erfahrung in der Sauna

Der Tee ist kalt …

Der mühsame Weg zurück

Geschichten vom Ankommen

In Interviews erzählen Gastarbeiter*innen und ihre Kinder von den ersten Jahren in Deutschland. 
Gespräche über Arbeit, Leben und Identitätssuche in einem neuen Land. 

Mit den Monotypien greife ich den persönlichen Ton der Schilderungen auf. 
Bei dieser Technik ist jedes Blatt ein Unikat, nur ein einziger Abdruck möglich. 


Die Spuren im Hintergrund, die beim Übertragen des Motivs entstehen, erzeugen eine gewisse Unschärfe – die auch das Erinnern und persönliche Erzählen ausmacht.